Rocken auf Balkonien

Hamburg 3Die Hamburger Reeperbahn ist eine lebende Legende. Es gibt wohl kaum einen bedeutsameren Ort für die Rockmusik in Europa, als das berühmte Viertel in St. Pauli. Die “Große Freiheit” trägt das Lebensgefühl schon im Namen: Sex, Drugs und Rock’n'Roll! Hier gegann in den 60ern die Weltkarriere der Beatles, hier entstand ein völlig neues Lebensgefühl, das Vorläufer der großen 68er Revolution war. Wir begaben uns gewissermaßen auf Wallfahrt, als wir in den Zug nach Hamburg stiegen.
Ziel unser Reise war der berühmte Musiker-Balkon, den es in Dublin, London und seit zwei Jahren auch in Hamburg gibt. Bands spielen dort einen Song und werden kurz interviewt, das Video wird dann im Internet auf den bekannten Plattformen veröffentlicht. Eine gute Gelegenheit, um neue Acts verschiedenster Stilrichtungen kennenzulernen.
Hamburg 1Der Balkon war kaum zu übersehen: Mitten auf der Reeperbahn am Spielbudenplatz ragte aus einer ansonsten völlig glatten Fassade eine kleine Plattform heraus, die uns schon von weitem ins Grübeln kommen ließ: Wie sollen wir da mit unserem ganzen Kram draufpassen? Schon vorher war klar gewesen, dass wir kaum einen normalen Auftritt spielen konnten – allein die Hammond-Orgel hätte den halben Balkon eingenommen. Deshalb hatten wir extra für den Auftritt bei “Balcony TV” eine Unplugged-Version unseres Songs “The Guru” entwickelt. Doch trotz des für unsere Verhältnisse spärlichen Equipments hatten wir Platzprobleme, so dass Niklas schließlich in den Fensterrahmen ausweichen musste.
Plötzlich ging alles schneller als gedacht, ein kurzer Soundcheck, Besprechung des ungefähren Ablaufs der Sendung und dann sofort die Aufzeichnung – fertig. Keine zweite Version, keine Kontrolle des Videos, der erste Versuch musste sitzen. Auch wir konnten unser Video erst bei der Veröffentlichung im Internet begutachten. Ein bisschen komisch war das schon, aber zum Glück hatten wir das Gefühl, dass es ganz gut gelaufen sei.

Hamburg 2Neben dem besonderen Auftritt vor den Kulissen St. Paulis war unsere Reise nach Hamburg auch sonst sehr unterhaltsam. Hier ein paar Anekdoten:
Im Zug nach Hamburg hatten wir Lust, den Song noch einmal zu proben. So packten wir spontan die Instrumente aus und machten Musik. Was wir nicht erwartet hatten – die Reisenden in unserem Wagon waren begeistert! Eine Gruppe Jugendlicher klatschte mit, Handys wurden rausgeholt und auf uns gerichtet, eine Dame fragte, ob wir auch auf Feiern spielen würden.
Auf der Reeperbahn beschlossen wir, Straßenmusik zu machen. So setzten wir uns auf eine der großen Bühnen des Spielbudenplatzes und legten los. Auf einmal kam eine Gruppe seltsamer Gestalten in schwarzen Ledermänteln, die ein Musikvideo drehten – und uns baten, darin mitzuspielen! Wir sollten einfach mit unseren Instrumenten da stehen und ein paar komische Bewegungen machen. Im Gegenzug machte der Kameramann ein paar Fotos von uns auf der Bühne. Leider (vielleicht auch glücklicherweise) wissen wir bis heute nicht, was aus jenem Video geworden ist…
Hamburg 4Zuletzt noch ein paar interessante Tatsachen: “Balcony TV” wird nicht jeden Tag produziert, an unserem Aufzeichnungstag wurde eine Band nach der anderen abgedreht. Bis unser Video veröffentlicht wurde, dauerte es mehrere Wochen. Vom “Balcony TV” Balkon kann man in die Zimmer der Freudenhäuser gegenüber gucken. Das Astra-Bier vom Fass kann man wirklich gut trinken. Und Niklas hat seit Hamburg den Spitznamen “Michael Hirte 2″. Warum? Schaut einfach mal in unsere Bildergalerie.

Kommentieren